Büttenrede 2015 in Nenderoth von Josef Gödde

Von Albert Einstein wird kolportiert
er habe einmal darüber sinniert
was erkennbar unendlich sei
und fand, es wäre zweierlei:
Zum einen des Weltraums unendliche Weiten
die selbst Astronomen Ehrfurcht bereiten.
Doch Einstein war sich nie im Klaren
ob da nicht doch ferne Grenzen waren.
Dagegen schien ihm ganz gewiss
dass Dummheit an sich unendlich ist,
denn das, was wir Dummheit der Menschen nennen,
scheint keinerlei echte Grenzen zu kennen.

So nehm' ich Euch mit als Karnevals-Narr
auf Pfade der Dummheit im letzten Jahr.
Die Zahl der Themen schränk' ich stark ein
sonst würd' ich noch morgen am reden sein.
Meine Frau sagt, auch ich sei dumm.
Dazu bleib ich mal absichtlich stumm.
Auch bei manch Möchtegern-Prominenz
find' man eher B-Klassen-Intelligenz.
Ich erinnere hier unverhohlen
an Berlusconi, Bush und Bohlen.
Denkt nach und Ihr findet genug an Beweisen:
Dummheit gibt’s auch in Promi-Kreisen!

Wo Dummheit noch mit Macht gepaart
gibt’s Katastrophen der schwereren Art.
So in Nahost, da gab's wieder Streit.
Da machten sich Hass und Rache breit.
Aus Mücken erst Elefanten gemacht,
sich dann gegenseitig umgebracht,
was aufgebaut war in vielen Jahren
zerbombt und verbrannt in wenigen Tagen.
Man weiß genau: das ist alles nicht gut!
Doch mancher kämpft weiter in blinder Wut.
Frei nach: ich schlag Dir den Schädel ein,
willst Du nicht exakt meines Glaubens sein.
Wer immer so was vor Ort kritisiert
wird medienwirksam massakriert.
Manch Unbeteiligter flieht – wenn er kann,
fängt zwangsweis' beim Stande Null wieder an
im Flüchtlings-Treck oder im Lager im Zelt
und braucht dazu Hilfe vom Rest der Welt.
Doch Rädelsführer und Fans der Gewalt
die bleiben geistig durchgeknallt,
gehen für ihre Idee über Leichen,
seh'n nicht, dass sie so nur Elend erreichen,
faseln vom Kampf bis zur letzten Patrone,
kapieren die Frage nicht, ob sich das lohne.
Selbst bei uns gibt es Kandidaten
die in den Dienst der Demagogen traten.
Wie kann sich so viel Dummheit verbreiten?
Denen muss Denken wohl Schmerzen bereiten!
Drum lassen sie sich, statt selber zu denken
lieber von Rattenfängern lenken.
Denn Wahn und Schwachsinns-Ideologie
erreicht man mit Sach-Argumenten nie.
Erst wenn alles am Boden zerstört
wird der Ruf der Vernunft gehört
oder der Bergpredigt Wahrheit erkannt:
„Die Sanftmütigen, die erben das Land.“

Dabei ziemt's sich uns Deutschen kleinlaut zu sein
Noch vor knapp 80 Jahren bildete man sich ein
wir wären was bess'res, hätten mehr Rechte
wir müssten Herr sein, die and'ren eher Knechte,
und dann der Wahnsinn, das mit Krieg zu erzwingen
brachte nur Tote und konnt' nicht gelingen.

Heute spinnt man hier anders herum
gibt sich politisch korrekt, aber dumm.
Wo ist das Wort „Negerkuss“ geblieben?
Selbst Kinderbücher sind umgeschrieben
wenn darin einst kam ein „Neger“ vor
und wie im Struwwelpeter der „Mohr“.
Zigeunerschnitzel soll's auch nicht mehr geben
die passen nicht ins politische Leben.
Das sind zwar alles Lappalien nur
doch solche Korrektheit grenzt an Zensur.
Die kommt dann wieder, erst still und leise
von vielen unbemerkt, scheibchenweise.
Zuerst sind die Medienmacher betroffen.
formulieren nicht mehr direkt und offen
schielen nach Quoten und Inserenten
und zwingen den Leser selbst zu denken,
den Raum zwischen den Zeilen zu checken
um das Wesentliche zu entdecken.

Zum Beispiel bei Waffen für Krisenregionen
da fragt man nur: „Wird sich das lohnen.?“
Zahlt der Kunde hinreichend viel
kann er bekommen, was immer er will.
Auch Aktien der Rüstungskonzerne
verkauft man reichen Arabern gerne.
Welcher Mensch glaubt dann noch daran
dass man die an Käufen hindern kann?
Werden die Waffen dann eingesetzt
tut man scheinheilig und entsetzt,
bewaffnet, wenn's sein muss die Gegenseite
vorausgesetzt, sie ist nicht pleite.
So rüstet man alle Seiten auf.
Die vielen Opfer, da pfeift man drauf.
Erst wenn Flüchtlinge steh'n vor der Tür
interessiert man sich plötzlich wieder dafür.

Dirk Niebel hat sich dazu bekannt
Entwicklungshilfe entbehrlich genannt.
Doch dann im schwarz-gelben Kabinett
fand er Entwicklungshilfe doch wieder nett.
Wurde sogar Minister dafür
bis die Wähler ihn setzten vor die Tür.
Vorher noch Teppichhandel probiert
doch dabei nicht so recht reüssiert.
Er fasste bei Rheinmetall wieder Tritt
wo er jetzt weltweit Waffen vertickt.

Auch die bekannten Pharma-Riesen
haben große Dummheit bewiesen.
Ebola, seit Jahrzehnten bekannt,
auch hier in Marburg, im Hessenland
sah man als Krankheit der dritten Welt
die zu erforschen verspricht kein Geld
denn dort, wo man besonders betroffen
kann man nicht auf viel Zahlkraft hoffen.
Zudem braucht's die Mittel nur vierzehn Tage
schon wär sie besiegt, die tödliche Plage.
Da forscht man lieber an Zipperlein
für die man täglich nimmt Mittel ein
wie zum Beispiel an Einschlaf-Tropfen.
So kann man mehr Geld in die Taschen stopfen.
Doch plötzlich hat sich herausgestellt
die Seuche bedroht die ganze Welt.
Per Flugzeug lässt sie sich weiter tragen
wenn's dumm kommt weltweit in wenigen Tagen.
Politiker haben darauf erkannt:
Vielleicht trifft es auch das eigene Land,
ihre Wähler, Diäten und ihr Portemonaie
und so etwas tut Politikern weh
denn dafür sind sie äußerst sensibel
agieren dann plötzlich erstaunlich flexibel
und haben im Nu fast über Nacht
Zweihundert Millionen zusammen gebracht.
So viel Hilfe auf einmal für Afrika
Dergleichen war noch niemals da.
In trägsten Behörden beginnt ein Treiben
dass Laien verwundert die Augen reiben.
Wo sonst über Jahre fast nichts passiert
da klappt's in Wochen, weil's scheinbar pressiert.
Man bricht so schnell wie vormals nie
die Impfstoff-Zulassung übers Knie,
weil man hofft, wenn man Impfstoff hat
macht man die Seuche ganz schnell platt.
Hätte man damit vor Jahren begonnen
wäre all dies nicht so weit gekommen.
Zehntausenden hätte man auf die Art
die Krankheit oder den Tod erspart.

Die größte Dummheit nach Dummheiten ist
wenn man sie einfach wieder vergisst.
Wer aus seiner Dummheit noch lernen kann
kommt wenigstens etwas dadurch voran.
Drum würde es sich nun wohl schicken
Malaria-Impfstoff zu entwickeln.
Daran sterben pro Jahr ein, zwei Millionen
Drum sollte sich so ein Impfstoff lohnen.
Doch die Pharma-Lobby scheint zu sinnieren
Es bringt nichts, in Malaria zu investieren,
das ist 'ne Krankheit der tropischen Armen
Mit denen haben wir kein Erbarmen.
Wir sind doch kein Wohlfahrts-Institut
und unserer Kasse tut das nicht gut.
Für die, die verreisen, da gibt es Chinon
für ein paar Wochen verträgt man das schon.
Der Klimawandel bringt – das ist sicher –
auch nach Deutschland die Mückenviecher,
die die Malaria übertragen
wie übrigens schon in alten Tagen,
als man sie Marschenfieber genannt,
die war bis zur Nordsee wohlbekannt.
Und wenn sie zurückkommt, die alte Plage
stellt jeder sich überrascht die Frage:
Wieso gibt es keine Medizin dafür?
Und wieder ist's Folge von Dumheit und Gier.

Der kleine Mann sagt „Gier frisst Hirn!“
und tippt sich spottend an die Stirn
statt sich an die eigene Nase zu fassen
und die Schnäppchensuche beim Fleisch zu lassen.
3, 4 Euro für ein Kilo Fleisch,
damit wird kein Bauer reich.
Solch Preise schaffen die Bauern nur
mit Massentierhaltung und Monokultur.
Damit die Tiere das überleben
müssen sie Antibiotika geben,
züchten so resistente Keime zuhauf
nehmen das Achsel zuckend in Kauf.
Eine kleine Wunde mit so einem Keim
kann der Tod des Patienten sein.
Wer meint, dass so etwas selten passiert
der hat sich aber gründlich geirrt:
15000 im Jahr, das sind 4, 5 mal mehr
als die 3000 Opfer im Straßenverkehr.
Hofft nicht auf die Pharma-Industrie!
Die ändert den Zustand von sich aus nie
solange Gockel, Rindvieh und Schwein
nehmen mehr Antibiotika ein
als die, die verputzen deren Fleisch.
Der Umsatz macht Pharma-Konzerne reich!
Doch kürzlich gab es den Zukunftspreis
dafür, dass Forscher mit viel Fleiß
haben durch Tüfteln herausgefunden
wie Eiweiß, das in Lupinen gebunden
wird chemisch behandelt und modifiziert,
dass jeder, der etwas davon probiert,
meint, es wäre aus Fleisch hergestellt.
Das wäre was gegen den Hunger der Welt.
Dann käme auch Nenderoth ganz groß raus,
denn auf der Wiese vor Roberts Haus
und auch am Straßenrand davor
wächst Lupine als Unkraut empor.
Da lohnt es sich bestimmt, zu probieren,
davon deutlich mehr zu kultivieren.
Das gäb zwar Ersatz-Fleisch, doch das wäre frei
von Antibiotika-Panscherei.

Doch statt hier anzufangen zu träumen
will ich das Dorfleben nicht versäumen.
Über's Jahr hat sich hingeschleppt
das „Integrierte kommunale Entwicklungskonzept.“
Allein so ein Namens-Ungetüm
weist auf einen Verwaltungsakt hin.
Doch was man sich da alles hat vorgestellt
scheitert am Ende vermutlich am Geld.
Wenn IKEK trotz allem dann doch funktioniert
wird es wohl überrascht akzeptiert,
andererseits, wenn das nicht klappt
bleibt alles schlicht weiter wie gehabt.
Der Bürger nimmt es nicht sehr schwer,
sagt Kopf schüttelnd nur einmal mehr:
„Da ist mal wieder außer Spesen
überhaupt gar nichts gewesen.“
Außer vielleicht viel heiße Luft
und dass man die Bürger zum Mitmachen ruft.

Lange konnte ich nicht kapieren,
dass wir da als Versuchstiere agieren.
Jetzt weiß ich: wir sind aus Sicht der Verwaltung
so was wie Versuchstiere in offener Haltung.
Die haben zu tun – und das ungefragt
was immer die Obrigkeit plant und sagt.
So komm ich – gern wiederhole ich mich nicht –
zum Nenderoth-Straßen-Zustandsbericht.
Der erste Versuch der sollte testen
das Verhalten der Nenderother bei Festen
und das Bürger-Talent im Hürdenlauf
zum DGH runter und dann wieder rauf.
Alles, was die herausgebracht haben:
Uns hindert am Feiern weder Sperre noch Graben.
Dann hat sich die Verwaltung gefragt
und mit uns den Versuch gewagt:
Wie tief dürfen Schlaglöcher sein
bevor Nenderother schlagen Umwege ein?
Die Straß' bis zur Leyenbach-Brücke saniert
und dahinter ganz ungeniert
sogar das Tempolimit gekappt
und stellt Euch vor, der Versuch hat geklappt!
Wer immer dort wäre gefahren zu schnell
der hätte verloren sein Fahrgestell.
Das hat auch ohne Schild niemand probiert
Nenderother sind eben diszipliniert.
Als nächstes kam dann mancher Test
wie weit sich der Bürger verarschen lässt.
Wie die Straßenlöcher Flick-Aktion
mit ihrer reinen Alibi-Funktion.
Denn spätestens in einem Jahr
ist's genau so kaputt wie es vorher war.
Dass es weiter geh'n soll mit Grundsanierung
glaub ich erst nach Fertigstellung.
Ansonsten gehe ich davon aus
man gibt das Geld für was anderes aus.

Dafür woll'n die Bayern die Ausländer-Maut'!
Ein Freibrief dafür, dass man sie beklaut!
Warum hör' n die Bayern auf ihr doof's Rind?
Hierzulande weiß doch jedes Kind:
Ist sie erst eingeführt, die Maut
wird sie nie wieder abgebaut!
Wie damals mit Altbimbeskanzler Kohl.
Zum Soli versprach er allen wohl:
„Ergänzungsabgabe, zeitlich befristet“.
Damit hat er die Leut' überlistet.
Heut trixen alle Politiker rum.
„Wie benennen wir den Soli um,
so dass wir Erfolge von Klagen verhindern?
Wir woll'n doch die Abzocke nicht vermindern!“
Wer zur Maut meint, für ihn wär's egal,
denn die sei wegen Steuersenkung kostenneutral,
den frag ich: „Bist Du so dumm oder naiv?“
Es sei schon abzusehen wie das lief:
Dann schreit die EU „Da wird diskriminiert!“
Und nix ist mit steuerlich kompensiert!
Und prompt wird Fahren für alle teuer
aufgrund der Maut als Straßen-Steuer...

Die Dummheit eines Rindviehs vom Bayernland,
war hier in Greifenstein unbekannt.
Da gibt man sich lieber der Frage hin:
Kommt ein Aldi nach Beilstein hin?
Oder ein Rewe? Oder beides? Oder keins?
Darüber wurde man sich nicht eins.
Man plante vorbei an Bürger-Interessen,
dachte schon, der Käs' sei gegessen.
Doch man hatte die Rechnung ohne Wirt gemacht
denn die Bürger sind plötzlich aufgewacht
und wenige Tage später schon
kam's zu einer Unterschriften-Aktion.
Im März ist es dann so weit
dann erfolgt der Bürger-Entscheid.

Man fragte im Dorfe sich jahrelang:
„Was wird aus Hotel 'Am Rosenhang'?“
Wie da Baum- und Strauchwerk den Bau umschloss
das hatte schon was von Dornröschen-Schloss,
allerdings nur von weitem gesehen,
wer's näher betrachtet, der muss gestehen:
Das ganze ist mehr Ruine als Haus
da hält es Dornröschen selbst schlafend nicht aus.
Doch da gab' Leute, die das nicht bedachten
die sich ans Roden und Sägen machten.
Erst als der Bau wieder frei da stand
haben die Möchtegern-Prinzen erkannt:
Da drinnen kann keine Prinzessin sein
und stellten die Arbeit wieder ein.
Seitdem herrscht am Rosenhang große Ruh
und die Vegetation wächst alles wieder zu.

Ganz anders lief es mit Reichmann's Kaffee.
Da herrscht pralles Leben, wenn immer ich's seh.
Flüchtlinge, aus vielen Ländern zusammengefunden
sogar etwas ins Dorfleben eingebunden.
So nach dem Singen in den Mai
Die Feier war schon fast vorbei
da trieb die Neugier wohl hinaus
die Flüchtlinge aus Reichmann's Haus.
So kamen sie, erst langsam und schüchtern.
Die Nenderother, meist nicht mehr ganz nüchtern
nahmen Sie mit offenen Armen auf
und tranken noch Brüderschaft darauf
als Oli, dem Kirmesfreunde-Boss
ein Geistesblitz durch den Schädel schoss.
Er lud kurzerhand die Flüchtlinge ein
beim Maigang tags drauf dabei zu sein.
Und sie kamen samt Frauen und Kindern in Scharen
dass über 50 auf Maigang waren.
Bei der Spatzenkirmes in Beilstein, am Ziel
war'n wir zusammen der Gäste zu viel.
Erst mussten mehr Tische und Bänke herbei
erst dann war für jeden ein Sitzplatz frei.
So konnte man viel miteinander sprechen
wenn auch zum Teil unter Radebrechen.
Da sah selbst der Bürgermeister ein
Deutschunterricht, ja der muss sein.
Der wurde dann auch organisiert
Mal sehen, was auf die Dauer draus wird...

Da gibt es noch einen Skandal, den zum Schluss
ich unbedingt noch berichten muss.
Die Halle, wo Public Viewing fand statt
heutzutag neue Besitzer hat.
Die Kirmesfreunde gaben nicht auf
und schritten zu einem Pavillon-Kauf.
Der rechnete sich aber nur dann,
falls Deutschland bis ins Finale kam.
Nur wenn es Siege zu feiern gibt
ist Public Viewing nämlich beliebt.
So machte Olli mit Yogi 'nen Deal
und bot ihm dafür soundsoviel.
Ollis Forderung, die lautete so
Spielt 3 mal Gruppe und 4 mal KO!
Dann habt Ihr zumindest Patz 4 erreicht
doch das fand Yogi dann doch zu leicht.
Denn angesichts der vielen Spesen
wäre Platz 4 nicht lohnend gewesen.
Im Übermut haben sie's fast übertrieben
Brasilien – Deutschland eins zu sieben!
So hat Deutschland die Weltmeisterschaft
nur wegen der Kirmesfreunde geschafft!
Natürlich ist Euch allen klar,
dass dies erstunken und erlogen war,
denn beim großen Weltfußballverband
ist Bestechung ja unbekannt.

Auch wenn Dummheit zählt zu den Gottesgaben,
man kann ein Übermaß davon haben.
Wagt selbst zu denken, es tut nicht weh
und schult den Geist, schont's Portemonaie.
Wer's einmal selber hat probiert
wird nicht mehr so leicht manipuliert.
Wenn Wahlverhalten und Bürger-Entscheid
die Obrigkeit in den Wahnsinn treibt
dann habt Ihr alles richtig gemacht:
Dann habt ihr selbst voraus gedacht!
Spaß beim Denken, und bleibt auf Zack!
Das wünsch' ich Euch als alter Sack
So Gott will bis nächstes Jahr!
Adieu aus der Bütt sagt Euer Narr!