Büttenrede 2013 in Nenderoth von Josef Gödde

Ihr kennt doch sicher ganz bestimmt
wie komisch sich manch Politiker benimmt.
Da gibt es besonders einen Trend,
der mir schon lang auf den Nägeln brennt,
erklärt in Form einer Geschichte
bevor ich noch anderes berichte.

Er war ein echter Volljurist
was wie folgt gekommen ist:
Schon in seinen Kindertagen
und in frühen Jugendjahren
empfand er klar, die Welt sei schlecht
denn sie war ihm zu ungerecht.
Zu häufig ging's ihm auf die Kleinen
das fand er beinah schon zum Weinen.
Dagegen schwang er starke Reden,
doch einer tat darauf nichts geben:
Das war der Lehrer für Mathematik.
Der ignorierte die Politik
und lebte in ganz anderen Welten
wo ewige Gesetze nur zählten.
Da lag, was richtig und falsch so fest
dass sich darüber nicht streiten lässt.
Und wegen Integral und Matrizen
blieb unser Held dann sogar sitzen.
Nach dieser Übung war ihm klar,
dass Mathe wohl sein Ding nicht war.
Das galt für alle Disziplinen,
die sich der Rechenkunst bedienen.
Zum Abi hat er's raffiniert
mit Aufsatz-Noten kompensiert.
So beschloss er zu probieren,
das Fach Jura zu studieren.
Es gab ihm endlich was wie Halt
und sein Examen macht' er bald.
Wobei er zunächst übersah
wie schwammig die Grundlage dafür war.
Lauter Gesetze, von Menschen gemacht
gewiss nicht für ewige Zeiten gedacht.
Jüngst erst beschlossene Paragraphen
umgangen von Leuten, die sie betrafen
dann umformuliert und anders begründet
in neuer Version rasch neu verkündet.
Doch ganze Meuten von Lobbyisten
und Interessenvertreter-Juristen,
schrien stets, wenn Paragraphen
eins ihrer Privilegien betrafen.
Besonders krass wurde dieses Spiel
wenn es in Zeiten vor Wahlen fiel.
Seit langem ließ man es schon bleiben
solche Gesetze in Bücher zu schreiben.
Man gibt sie stattdessen auf Zetteln heraus
und macht eine Loseblatt-Sammlung daraus.
Wie anders das, was die Kumpels erzählten
die lieber den Ingenieurberuf wählten.
Die hatten am Konstruieren viel Spaß
auf Formeln war dabei immer Verlass.
Auf Gesetze, die von den Formeln beschrieben,
die seit der Entdeckung konstant geblieben
konnte man ruhigen Gewissens vertrauen
und tolle Dinge darauf aufbauen:
Motoren so ganz winzig und klein
die passen in ein Ameisenbein
aber auch riesengroße Maschinen,
die den Strombedarf ganzer Städte bedienen.
Unser Jurist wird da blass vor Neid
weil sein Beruf ihn nicht mehr recht freut.
Ein Prozess, den er zu gewinnen glaubte
den Glauben an die Justiz ihm raubte.
Ein Indiz, zur Entlastung angeführt
ward als Schuldbeweis interpretiert.
So sitzt der Mandant nun schuldlos im Knast.
Kein Wunder, dass der Juristen jetzt hasst.
Da fasst auch unser Jurist den Beschluss,
dass er sein Leben ändern muss.
Er will endlich etwas richtig gestalten
zum Beispiel ein Ministerium verwalten.
Die Fähigkeiten, die dort gefragt
meint er zu kennen in Rat und Tat.
Schon seit seinen Kindheits-Tagen
kann er lang reden ohn' was zu sagen.
Und andern erklären, was man selbst nicht kapiert
hatte er oft im Gericht praktiziert.
Und weil er die richtigen Leute gekannt
landet er rasch im Minister-Amt.
Politisch lief alles wie geschmiert
doch fachlich hat man sich oft blamiert.
So haben Behörden und sein Amt
die Atomkraft immer sicher genannt
ließen Protestler für Jahre verprügeln
und auch juristisch unterbügeln.
Doch alle Beschlüsse - juristisch perfekt
waren sachlich chaotisch und inkorrekt.
Denn mancher Beamter, loyal und brav
war fachlich gesehen einfach ein Schaf.
Naturgesetze und Mathematik
scheren sich nicht um Politik.
Das hat der Jurist und Minister erkannt
und holte sich technischen Sachverstand.
So kamen Spezialisten ins Haus
die lieh man sich von Konzernen aus.
Das sparte sogar deren Gehalt
aber die Folgen zeigten sich bald:
Gesetze wurden fortan formuliert
wie wörtlich von den Konzernen diktiert.
Die kriegen zum Beispiel auf Strom jetzt Rabatt
den der kleine Bürger zu zahlen hat.
Dann Nachtflug-Verbote, mit Pathos versprochen
bald einfach kassiert, eigne Worte gebrochen.
Privatrenten, lauthals propagiert
wer sie abschloss, war blöd angeschmiert.
Die Banken, die sie gerne vertreiben,
haben sich die Hände gerieben.
So ist das ja schon immer gelaufen
Der Teufel scheißt auf den größten Haufen.
Da musste auch unser Minister erkennen
Gerechtigkeit kann man so was nicht nennen.
Wie stellt man Gerechtigkeit wieder her?
Wenn das blos etwas einfacher wär!
Was macht man in so einer Situation?
Der Minister war ja nun älter schon.
Er plant zu genießen den Rest vom Leben
und sein Ministeramt aufzugeben.
Mit Pension und Diäten im Rücken
kann man sich leicht von der Arbeit verdrücken.
Doch noch bevor er schied aus dem Amt
kamen zahllose Lobbyisten gerannt.
Bilfinger Berger, Gazprom und Co
Telefonica, RWE und so.
Mit schmeichelnden Sprüchen woll'n die erreichen
des Ex-Ministers Gunst zu erschleichen.
"Sie woll'n ja nicht schon als Rentner verrosten?
Wir bieten Ihnen 'nen sehr guten Posten.
Lassen Sie einfach Beziehungen spielen
um gute Geschäfte für uns zu erzielen."
Da wurde unser Minister bald schwach
und gab dem schmeichelnden Drängen nach
und pfiff auf den Kampf für Gerechtigkeit
dem er sich gewidmet so lange Zeit.
Oder ist das der Anschein nur
und er zeigt jetzt seine wahre Natur,
die lang hinter Reden verborgen geblieben
die Ghostwirter ihm für die Wahlen schrieben?
Ihr Hörer (Leser), bemerktet es sicher schon
ich red' hier nicht nur von einer Person,
sondern von einem Politiker-Typ
der viele schon weg von der Wahlurne trieb.
Drum nenn' ich konkrete Namen nicht
brauch keine Klage gegen das Gedicht.
Doch jedes mal, wenn ich denke daran,
wird's mir um's Gemeinwohl bange, mann!
und innerlich koch ich dann vor Wut
weil's Demokratie beschädigen tut.
Nun lasst mich zum Thema noch "Basta" sagen
und übergehen zu anderen Fragen.

Jetzt hoff' ich der Gauck bleibt 'ne Amtszeit lang
wenn er vorzeitig ginge, würde mir bang.
Wechseln Bundespräsidenten weiter so schnell
wird Schloss Bellevue noch zum Stundenhotel.
Aus Stundenhotels kommt Mann ärmer heraus,
bei Schloss Bellevue springt ein Ehrensold raus.

So hat mich die Erfahrung gelehrt
Politiker-Worte sind nicht viel wert.
Besonders in Zeiten vor wichtigen Wahlen
vertuschen sie Wahrheit und dienen zum Prahlen.

Ich glaub denen fast nur noch dreierlei:
Als erstes, das was vergangen, vorbei,
als zweites, wenn jemand mehr Steuern verkündet
dann ist es egal, wie dumm er's begründet.
Und egal, wofür man sie danach eintreibt
ist der Grund auch vorbei, die Steuer die bleibt!
Ein drittes zweifle ich auch nie an:
das ist ein Diäten-Erhöhungs-Plan.
Meist hört man vorher 'ne Litanei
von Gründen, weshalb das nötig sei.
Solang sich das abspielt im üblichen Rahmen
in dem auch die andren mehr Löhne bekamen,
ist das alles doch ganz OK
zumindest wie ich die Sache seh'.
Ich frag mich, wieso druckst man dann so herum?
Hält man das Volk für naiv und dumm?

Nötig wäre ein Medikament
mit dem man Lügner sogleich erkennt.
Pinnocchio-Nasen für Volksvertreter
die wüchsen bei manchem auf ein, zwei Meter.
Auch Steuerzahler kämen dann
oft mit sehr langen Nasen an.
Doch so eine Pille, wenn sie denn käme
wer sorgte dafür, dass der rechte sie nähme?
Egal, das ist ja vorerst Illusion
Nur manchmal denk ich: „Das gibt’s ja schon“!
Ich mein nicht den roten Kopf beim Lügen
den Dauer-Schwindler bekanntlich nicht kriegen.
Ich hab das Gefühl in der Politik
macht allzu viel Lügen – einfach nur dick.

Dann ist da noch der Verfassungsschutz.
Man fragt sich, wem der wirklich nutzt.
Den kriminellen V-Personen
um sie vor verdienten Strafen zu schonen?
Man zapft braver Bürger Telefon an
damit man so Akten füllen kann.
Die sind dann derartig geheim
da schaut kein Schwein jemals mehr rein,
es sei denn, die Polizei fragt an
weil sie 'nen Fall nicht lösen kann.
Dann tut man die Daten genau zu der Tat
in den Schredder, sonst wär's ja Geheimnis-Verrat.
Da fällt mir der Witz über Handbücher ein.
Die erklären zuerst im Detail und haarklein
man müsst' etwas schütteln vor'm ersten Gebrauch
doch drei Zeilen weiter findet man auch
wenn man den Text wirklich weiter liest
dass das Teil nach Schütteln unbrauchbar ist.

Ein andres Thema ist das Geld.
Um Euros ist es schlecht bestellt.
Ministertreffen, fast wöchentlich.
Was dabei rauskommt ist lächerlich.
Da wird gegen einander gehetzt.
Der eine will Geld und zwar hier und jetzt.
Ein anderer spart, der nächste gibt aus
das ist ja fast wie bei mir zuhaus'.
Normal weiß jedes kleine Kind
dass Schulden zurück zu zahlen sind.
Das haben die Staatsleute wohl vergessen!
Die denken nur noch an's Arbeitsessen.
Auf Gläubiger-Fragen : „Wann zahlt ihr zurück?“
ernten die nur 'nen verwunderten Blick
und machen sich mit dem Gedanken vertraut
„Die ha'm nicht geliehen, die haben geklaut!“
Und solche Schuldner sind unbeliebt.
Klar dass man denen nicht noch mehr gibt.
Die Folge davon tut allen weh:
Milliarden gedruckt von der EZB.
Was red' ich von Drucken, es ist ja zum Fluchen
die brauchen ja einfach nur Luftgeld zu buchen.
Und schon ist neues Geld gemacht,
das dann die Inflation entfacht.
Mich ließen diese Probleme nicht ruh'n
und ich grübelte, was dagegen zu tun.
Da fiel mir eines Nächtens ein
die Lösung könnte so einfach sein:
Stoppt bargeldlosen Geldverkehr!
Papiergeld gäb's auch ab sofort nicht mehr.
Nur Münzgeld würde noch anerkannt.
Damit wär' manches Problem gebannt.
Als Lohn bekäme keiner dann
mehr als er heimwärts tragen kann.
Wie ich getestet diesertage
bringt ein Euro sechs Gramm auf die Waage.
Wer ein Durchschnittsgehalt verdient
würde mit 10, 20 Kilo bedient.
Ein Jahresgehalt von einer Million
gäb monatlich 500 Kilo schon.
Leicht könn't man so Großverdiener erkennen
weil bucklig mit Sack sie um 'nander rennen.
Milliarden verschwenden wär' auffällig schwer.
Zum Geldtransport müsst' ein Güterzug her.
„Das ist doch alles nur Phantasie!“
scheint Ihr jetzt zu denken, „Das gab's doch nie!“
Als Geld noch aus Silber und Gold gemacht
ging Wirtschaft genau so! Da habt mal Acht!
Pro Werteinheit leichter war's allemal,
denn die Münzen waren aus Edelmetall.

Viel Geld blättern derzeit der Bund und Berlin
für den Hauptstadt-Flugplatz in Brandenburg hin.
Wobei Planziel und Realität
in unüberbrückbarem Widerspruch steht.
Der Öffnungstermin schon vier mal verstrich
und auch den nächsten glaubt man nicht.
Spötter sagen: „Das wird schon Ruine
bis davon abhebt die erste Maschine.“
Während die Stahlträger schon verrosten
steigen zum Himmel nur die Kosten.
Und keiner will es gewesen sein.
Dass man Scheiße gebaut hat, sieht keiner ein.
Dabei bracht 'ne Studie ans Licht
worüber man in Berlin nicht gern spricht:
Berliner Grundschüler sind in Mathematik
die schlechtesten der ganzen Republik.
Was nicht sehr überraschend kam
Ein Apfel fällt nicht weit vom Stamm...

Nicht, dass hier aber irgendwer denkt
Unverstand sei auf die Hauptstadt beschränkt!
Wer sucht, der findet davon in Fülle
auch in unserer Dorf-Idylle!

Vom Köppchen in das Dorf hinab
geht's 50 Höhenmeter herab.
Ungebremst und im Freien Fall
käm's unten mit gut hundert Sachen zum Knall.
Drum wird, wer auf sein Leben legt Wert
bremsen, wenn er da runter fährt.
Doch am 9. Juli so gegen Acht
ein Krad ist durch Günters Zaun gekracht.
Rasant vom Köppchen herunter gekommen
hat es die Hürde ganz locker genommen.
Erst sah alles beängstigend aus
aus dem Tank da tropfte Sprit heraus.
Der Fahrer und seine Sozia
lagen starr vor Schrecken da.
Nur Schürfwunden und ein gebrochenes Bein.
Die Schutzengel mussten wohl Profis sein!
Die Nachbarn kamen zusammengerannt
und packten zu mit helfender Hand.
Man rief den Notarzt auf die Schnelle.
Die Sanitäter war'n rasch zur Stelle.
Als die Polizei kam gefahren
ward der Biker grad zum Sankar getragen.
Befragen konnte man ihn da nicht mehr,
denn betäubt fiel ihm das Sprechen schwer.
So musste man Spuren fotografieren
und den Unfall zu rekonstruieren.
Tragisch an dem Unfallgeschehen:
Vom Unfallort aus war das Ziel schon zu sehen!
Drum die Moral von der Geschicht':
Auch beim Endspurt rase nicht!
Selbst auf der Zielgrade nichts übertreiben
sonst könnte man auf der Strecke bleiben!

Im Herbst ist noch so ein Unfall geschehen.
Ich hab ihn zwar nicht selber gesehen.
Ein Traktor-und-Anhänger-Gespann
das fing bergab zu rasen an
Eine Notfall-Spur, die gab es nicht.
Wir sind ja hier in Herborn nicht.
Die Fahrerin verzweifelt drauf baut
bergauf wird Tempo abgebaut.
Sie hatte kaum Zeit, drüber nachzudenken
und tat das Gespann in die Böschung lenken.
Doch das Gespann ist eingeknickt
und mit dem Schwung fast umgekippt.
Die Frontlader-Gabel machte noch
ins alte Pfarrhaus ein dickes Loch.
Wie durch ein Wunder ward zuletzt
die Fahrerin nur leicht verletzt.
Auch da ha'm wohl Schutzengel mitgezogen
als sie mit Schwung vom Traktor geflogen.

Fliegen kann ich nicht beim Triathlon.
Wie immer fuhr'n alle mir gleich davon.
Denn ich bin ja mit meinen alten Knochen
ins Ziel nicht gerannt, sondern mehr gekrochen.
Der Abstand zum Vorletzten war so rund
eine gute halbe Stund!
Dann war ich geschmeichelt und doch recht platt
dass ich so den Dorfpreis gewonnen hatt'.
Erst danach war ich mir im Klaren
dass Oda und ich die einzigen waren
die aus Nenderoth hatten teilgenommen
oder in Staffel mit geschwommen.
Die den Triathlon einst nach Nizza gebracht,
weil's anstrengt und auch Freude macht,
die einst kämpften für Spaß und Ehre
benehmen sich heute wie Funktionäre,
die alles toll planen und überwachen
wenn Auswärtige den Sport dann machen.
Wie Arbeit auslagern zu den Chinesen
das geht nicht lang gut, das ist's dann gewesen!
Ich rate der Jugend: Gebt euch 'nen Tritt
und macht in Zukunft wieder mit!
Oder wollt Ihr, dass der Triathlon
kommt auf den fallenden Ast jetzt schon
und endet wie Kirmes und Maskenball
die Teilnehmer-Mangel brachte zu Fall?
Oder wie letztens der Männerchor,
der erst Sänger und dann sein Dasein verlor?
Und stets dran denken: Es ist ein Spiel,
in dem nur zählt, dass man kommt ins Ziel!
Vielleicht wird ja Euer Interesse geweckt
durch einen kulinarischen Aspekt:
Mein leckerstes Bier im ganzen Jahr
stets das nach dem Triathlon-Zieleinlauf war.

Doch auch Reden macht Durst nach Bier
drum seid Ihr jetzt erlöst von mir...