Büttenrede 2012 in Nenderoth von Josef Gödde

Dass das, was wir schon immer gesehen
zeitlebens wird so weiter gehen
das gaukelt unser Hirn uns vor.
Doch wer dran glaubt, der ist ein Tor.
Denn manchmal reißt ein Ereignis uns flott
aus dem gewohnten Alltags-Trott.

Von solchen Überraschungs Geschichten
des letzten Jahres will ich hier berichten.
Dabei geh ich vom Großen zum Kleinen
vom Weltall bis zu den Dorf-Vereinen.

Als Joopi Heesters wurd' hundertacht
hat mancher sich Gedanken gemacht
wie häufig es irgendwie wohl geschieht
dass der Tod jemand ganz übersieht.
Doch Heiligabend wurde dann klar
dass dies wohl nur ein Wunschtraum war.
Egal, ob das Leben gut oder schlecht
es endet für jeden, und das bleibt gerecht!

Seit Jahren finden wir unser Ziel
mit GPS leicht wie im Spiel.
Kaum ein Gedanke wird daran verschwendet
wie viel Satelliten man dabei verwendet.
Auch Wolkenbilder im Wetterbericht
gäb's ohne die Satelliten nicht;
und Bilder von Menschen im Weltraumlabor
kommen uns selbstverständlich vor.
Im Juni war der Schock dann da:
kein Shuttle mehr in den USA.
Die kriegen keinen Menschen mehr hoch
nur Chinesen und Russen können das noch.
Die Amis sind jetzt angewiesen
auf Sojus-Kapseln – gegen Devisen.
Hätt' jemand das vor der Wende gesagt
man hätte ihn einfach ausgelacht.
Doch Gier und Tea-Party-Denken allein
tragen nicht in den Weltraum hinein.
Erst recht nicht wenn Staat und Mittelstand
werden in Armut und Schulden verbannt...

Seit Jahr und Tag wird uns verkündet,
dass ohne Atomstrom der Wohlstand verschwindet.
Dann kam in Japan vom großen Meer
die Riesen-Tsunami-Welle daher
und Stunden später trifft schon ein
was angeblich niemals könnte sein:
Mit Kernschmelze und großem Knall
kamen drei Reaktoren zu Fall,
verseuchten die Umwelt mit strahlender Fracht
und haben sie unbewohnbar gemacht.
Und das in Japan, dem Hightech-Land!
Da hat sogar die Merkel gespannt,
dass auch hier so was möglich wär'
käm' ein unerwarteter Fehler daher.
Der Physikerin muss niemand erklären
wie hier im Land die Folgen wären.
Schon kamen im Ländle, sonst schwarz wie die Nacht
auf einmal die Grünen an die Macht
Da wird die Merkel zur Tänzerin
und legt eine Pirouette hin:
Von der Laufzeit-Verlängerung
zur vorgezogenen Abschaltung.
Doch mancher Tanz der Merkelin
ist nicht so ganz in ihrem Sinn.
Ihrem Tanzpartner, der FDP
tun nicht nur Umfrage-Werte weh.
Obwohl der Mittänzer Schwindsucht hat
zwang er sie schon zu politischem Patt
und trat ihr beim Tanzen auf die Hufe
mit dauerndem Steuersenkungs-Gerufe,
verkündete Lieferung nicht im Griff
hat Angst vor jedem Piraten-Schiff
derweil wird das eigene schon verlassen
vom Sekretär – man kann's kaum fassen.

Vom Verfassungsschutz die Späher-Horde
übersah gleich reihenweis' Nazi-Morde.
Statt dessen verbrachten sie ihre Stunden
damit, linke MDBs zu erkunden.
Mir kommt das etwa so sinnvoll vor
wie jemand der nachts seinen Schlüssel verlor,
und sucht nur in der Laterne Licht
weil Suchen da mehr Erfolg verspricht.

Und schau'n wir über den Tellerrand
an des Mittelmeeres Strand,
da haben in mehreren Araber-Staaten
alteingesessene Potentaten
für sich persönlich und ihre Sippe
und für ihre Günstlings-Clique
das Volk um seine Verdienste gebracht
für eigenen Luxus und eigene Macht.
Drum hat das Volk, das sie lang schon gehasst,
sie in zweitausendelf auf einmal geschasst.
Nur Assad in Syrien treibt es noch toll
hat zwar vor Angst die Hosen voll,
doch sieht sein Versagen noch nicht ein;
schießt lieber die Landsleute kurz und klein.
All das steht jetzt schon im Lexikon
unter dem Stichwort Arabellion.
Und glaubt mir, ich bin von Respekt gerührt,
wie man da für die Freiheit das Leben riskiert!

Ganz anders im Norden vom Mittelmeer
da klebte am Sessel ein älterer Herr.
Der hielt sich für clever und attraktiv.
Real war er plump und primitiv;
seine Fähigkeiten und sein Talent
auf Tricksen und Bunga-Bunga beschränkt.
Das empfanden selbst die Römer als Schand
und kickten den Silvio aus dem Amt.
Nun hat er Angst, das Gericht weist ihm nach
wen er im Amte alles bestach.

Natürlich ging's dabei auch noch um Geld
Geld, das die Staatskasse nicht enthält.
So ähnlich war's auch bei den Helenen
in der EU die Meister im Nehmen.
Das kostete Papandreu den Kragen
doch das war auch keine Lösung der Fragen.

Bei dem Euro-Rettungsschirm
da dreht und windet sich mein Hirn.
110 Milliarden € den Griechen allein,
da dachte ich mir, das kann nicht sein.
Das war doch bestimmt so ein Schreiberling
für den war Mathe nicht ganz sein Ding.
Aber nein – es bestätigt sich
als mich dann die Frage beschlich:
bei so einem Subventionen-Topf
wie viel ist das dann pro Kopf?
11 Millionen Leut' hat Griechenland.
Macht 10 000 € pro Nas' auf die Hand.
Bevor ich mich aufregen konnt' fiel mir ein
das entspricht der Verschuldung von Greifenstein.
Mit den Schulden von Kreis, Land und Bund
sind's 40 000 pro Kopf – so rund.
Bei uns kommt nur ein Glückspunkt dazu:
Noch scheinen wir Bänkern als melke Kuh.
An Zinsen wie bei Wulffs Christian
kommt man nur durch Beziehungen ran.
Mit Amigo-Geschäften ganz ungehemmt
und das als Minister-Präsident!
So machen sich Politiker nur
vor allen Leuten zur Witzfigur!
Finanzminister hätten auch gern
solche Zinsen wie diese Herrn.
Doch Schulden-Schäubles Autorität
reicht dafür nicht aus als Bonität.
Mich tut daran aufs höchste verdrießen
dass täglich mehr Steuern an Geldverleiher fließen.

Mit solchen Gedanken durch's Dorfe trabend,
fiel mir auf, dass jeden Abend
die DGH-Baustelle gleich aussah,
als wenn da tagsüber gar nichts geschah.
Wo üblicherweise -zig Handwerker sind
dreht sich der Baukran ohne Lasten im Wind.
Wofür halt ich mir 'ne Ehefrau
die sich in der Gemeindeversammlung macht schlau?
Die Antwort kam ein wenig verstört
und hat sich wie „Baustopp“ angehört.
Für mich hieß das, das Geld ist alle!
Jetzt steht da die Bauruinen-Falle!
Oda, schien meinen Verdacht zu erkennen
beeilte sich vage, den Grund zu benennen:
„Die sind auf 'ne Wasserleitung gestoßen
und haben jetzt heftig Schiß in den Hosen.“
„Als erstes erfasst man doch das Raster
aller Leitungen im Kataster!“
Das dachte ich noch und legte mich nieder
im Traum kam das Thema dann sofort wieder.
Wenn die Leitung erfasst nicht war,
war sie quasi schon immer da.
Das heißt, sie muss von den Kelten sein!
Nur die trugen nichts ins Kataster ein.
Das wär' ne historische Sensation!
Und noch etwas später träumte ich schon
von Archäologen, die in der Kita wühlen
und Kindern, die Archäologen spielen.
Die Heimatstub stellt eine Bude auf
da gibt es Souvenirs zuhauf.
Auch Kelten-Leitungen aus Schokolade
doch dann ging der Wecker – schade, schade!
In Wirklichkeit saß im Amt nur ein...
der Rundfunk blendet hier Pieptöne ein.
Und wer zahlt für die Schlamperei die Taler?
Natürlich wir kleinen Steuerzahler!.
Mein Rat, dass so was nicht nochmals kost' Geld:
Erst wird der Kampfmittel-Räumdienst bestellt.
Der findet mit Links jede Leitung im Land
und entschärft als Service die Blindgänger im Amt!

Auch in der Natur da draußen im Leben
hat's dieses Jahr manch Wechsel gegeben.
Die alte Eiche, knorrig und dick
sah schon so manches Menschen Geschick.
Als Sinnbild der Beständigkeit
war sie bekannt seit alter Zeit:

Letztes Jahr hatt' ich hier noch geprotzt
wie vielen Stürmen die schon getrotzt.
Doch dann im Sommer ist es geschehen
kein Mensch hat es persönlich gesehen:
Der Stamm brach durch, knapp unter der Krone.
Jetzt steht der Rest da „oben ohne“.
Ein lebendes Ästchen hat zwar noch der Baum.
Dass der überlebt glaub ich aber kaum.

Erinnert Ihr Euch noch ans letzte Jahr
als 'ne schwarzweiße Amsel hier Thema war?
Heut' hättet Ihr fast ein Problem
im Dorf 'ne normale Amsel zu sehn'n!
Kein hungriges Raubtier hat das gemacht
ein Virus hat sie ums Leben gebracht.
Jahrhunderte kommt' man sie massenhaft sehen.
Jetzt sind sie rar – so schnell kann's gehen.
Ich hoff', dass der Rest sich wieder vermehre
weil ich Amselgesang schon immer gern höre.

Mein Garten, von vielen als Urwald verspottet
weil alles da scheinbar wild wuchert und rottet
da gibt es auch einen Schlafmittel-Teich.
Wie das funktioniert erzähl ich gleich.
Wer kennt das nicht; es ist Schlafenszeit,
man liegt im Bett, zum Schlaf bereit,
da hört man ein ganz feines Sirren
und weiß: da muss 'ne Mück' 'rumschwirren.
So etwas nervt ganz fürchterlich
und man gibt keine Ruhe nicht,
greift gerne dann zu einer Klatsche
und macht den Blutsauger zu Matsche.
Ein Roter Fleck zeigt dann oft an:
Man war mal wieder zu spät dran.
Die Mücke hatte schon gestochen
bevor man aus dem Bett gekrochen.
Kaum hat man's Auge zugetan
da fängt der Stich zu Jucken an.
Im Schlaf kratzt man sich garantiert
bis aus dem Juck- ein Schmerzreiz wird.
Von diesem Schmerz neu aufgeweckt
bemerkt man bald entsetzt erschreckt
schon wieder einen Sirreton.
Wie's weiter geht, das wisst Ihr schon...
Einst selbst so um den Schlaf gebracht
habe ich mir ausgedacht:
Die Mücken muss man schon bekriegen
bevor sie in die Häuser fliegen.
Der Teich gehört zu den Biowaffen
die Ruhe vor den Mücken schaffen.
Die tanzen darüber auf und ab
und legen ihre Eier ab.
Das ist beabsichtigt, aber dumm,
denn die Goldfische reißen sich drum.
Das erklärt, wie ein Gartenteich
ist gut für Fische und Schlaf zugleich.

Für Jahre hatte das gut funktioniert
doch diesen Frühjahr sah ich deprimiert
Die Goldfische waren im Winter gestorben
Das Wasser war schon mit Mücken verdorben.
In einem Zoogeschäft bot man mir dann
zehn Goldfische zum Sonderpreis an.
Das war zu viel für den kleinen Teich
doch eine Lösung kam mir gleich.
Das Wasser, im Brunnen ist jederzeit frisch,
vielleicht ist das auch etwas für einen Fisch?
Im Kastanienweg-Brunnen setzte ich ein,
einen Goldfisch zur Probe und ganz allein.
So nahm ich nach Tagen noch einen zweiten
um ihm Gesellschaft zu bereiten.
Die Kinder haben wohl Spaß daran
sie sehen die Fische öfter an.
Manch Älterer war erst irritiert,
und hielt die Kinder für verwirrt,
die vom Fisch im Brunnen berichten.
„Das sind doch Phantasie-Geschichten!“
Später, nach eigenem Augenschein
sahen auch die Skeptiker ein:
Die Fische im Brunnen sind gesund
sie fraßen sich rasch dick und rund.
Das einzig Problem stellt Neujahr dar
weil dann im Dorf die Lausbubenschar
Knallkörper in den Brunnen schmeißt
was die Schwimmblas' der Fische zerreißt.
Um diesem Treiben zuvor zu kommen
hab ich sie in Asyl genommen.
So kam ich dreckig ins neue Jahr
weil die Badewanne bevölkert war.

Der Umgang mit Tieren verlangt Respekt
wie ein tragischer Fall hat aufgedeckt.
Im August morgens 6, ich putzt' grad die Zähne
da heulte plötzlich die Sirene.
Ein Fehlalarm konnte das nicht sein
Oda war arbeiten, nicht daheim.
Als ich selbst von der Arbeit kam
traf ich Feuerwehrleute an.
Ihr Such-Einsatz war traurig gewesen
sie hatten 'ne Tote aufgelesen.
Und einem von ihnen ging nicht aus dem Sinn
Sie war sogar mal seine Lehrerin.
Die war mit dem Hund durch die Wiesen spaziert
da sah eine Kuh sich provoziert.
Die Kuh hatte ein ganz junges Kalb
vielleicht geschah alles genau deshalb.
Aus ganz normalem Mutterinstinkt
zu schützen ihr Kalb, ihr jüngstes Kind.
Irgendwie hat die Kuh Gefahr gerochen
die Frau attackiert und ihr Knochen gebrochen,
und inn're Verletzungen beigebracht,
sich dann mit Kalb aus dem Staub gemacht.
Die Rolle des Hundes bei dem Geschehen
ist unklar, niemand hat es gesehen.
Hat er das Kälbchen angebellt?
Sich zwischen Kuh und Kalb gestellt?
Verlor die Frau ihr eigenes Leben
um ihrem Hunde Deckung zu geben?
Exakt können's nur die Tiere sagen.
Die braucht man aber kaum zu fragen.
Die Antwort wäre nur „Muh“ oder „Wau“
als Kommentar zum Tod der Frau.
Gewiss ist dabei nur das eine
Der Hund kam zurück und zwar ohne Leine.

Auch allgemein im Vereinsgeschehen
konnt' man dieses Jahr Wandel sehen:
Die Schützen, dies Jahr ein halbes Jahrhundert
was da alles abgeht, hat manchen verwundert.
Über'n DGH-Umbau – erst lange ersehnt -
heut' jeder Verein auf seine Art stöhnt.
Nur der Schützen-Verein kam in den Genuss,
dass jeder ins Schützenheim ausweichen muss.
Manch Witzbold spricht schon vom „Ersatz-DGH“,
doch nimmt dabei wohl nicht richtig wahr:
Ein voller Ersatz kann es eben nicht sein!
Fragt mal die Leut' vom Theater-Verein!
Da fällt die Saison vollständig aus,
denn ihnen fehlt ein Probenraum-Haus.

Vom Umbau des DGHs nicht betroffen
ist der Vereinsraum noch immer offen.
Das reicht der geschrumpften Sängerschar,
sie übt auch heut' noch im DGH.
Vor 90 Jahren schon gegründet
sich plötzlich in einer Krise befindet.
Des Chores Probleme sind hausgemacht,
zwischen Vorstand und Dirigent hat's gekracht.
Dem Fußvolk ist bis jetzt nicht klar,
was eigentlich der Knackpunkt war.
Egal – Peter reichte die Kündigung ein
und das tat die Sänger gar nicht erfreu'n.
Man ließ dann Testdirigenten kommen
und hat sie in die Mangel genommen.
Der Großteil der Stimmen bei Daniela verblieb,
so bleibt der Chor im Familien-Betrieb.

Wer dies Jahr nicht kam am zweiten Advent
zum Advents-Konzert, der hat was verpennt!
'Ne völlig neue Musik Version:
Die moderne Klassik-Improvisation
der Kantate „Jesu meine Freude“ von Bach.
Das Publikum war gespalten danach.
Die einen spendeten brav Applaus,
die anderen hielten es kaum noch aus.
Bei mir hat ein Vorurteil mitgeschwungen.
Hätt' als Kind fast die Klassik Version gesungen.
Damals in der Sexta vor sehr langer Zeit -
Pädagogik war meistens noch Handarbeit,
ein Musiklehrer, der hatte Chorgesang lieb,
auch wenn er uns Jung's in den Wahnsinn trieb.
Ohne Stimmbruch und ohne Attest
hielt der jeden im Chore fest.
Die Stimmen, besetzt mit 2 bis 3 Klassen,
konnten sich ja auch hören lassen.
Nach halbjährlich Üben zur Weihnachtszeit
war'n wir in Roben zur Aufführung bereit.
Die Kirche war groß, die Kirche war kalt
und ich als Sopränchen plötzlich mitten im Alt.
Die Orgel begann mit „Jesu meine Freude“,
da sah's auch der Lehrer zu seinem Leide.
Er ward vor Schreck plötzlich weiß und rot
und hat mir dann deutlich zischelnd gedroht
in einer Art dass ich's niemals vergess:
„Gödde, reiß' Maul auf und halt' die Fress!!!“
Noch heut' kommt's mir wieder von Zeit zu Zeit
Drum dank' ich für Eure Aufmerksamkeit!